6 Artikel zum Thema »Netzkultur«

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Netzfundstücke vom 04.07. bis 10.07.2011:

Wochenlinks: Ein Plus für Google, Kölsch, WordPress-Performance und Video-Manipulation mit Canvas

Netzfundstücke vom 27.06. bis 03.07.2011:

Wochenlinks: Koch-Mehrin, Einblicke in XING-Relaunch, FBI-Razzia und Microsoft vs. WebGL

Netzfundstücke vom 20.06. bis 26.06.2011:

Facebooks Spiel mit dem Feuer

Seit Jahresanfang ist die Mitgliederzahl in Deutschland um 56 Prozent gewachsen. Jeder zehnte Deutsche hat mittlerweile einen Account bei Facebook, doch in letzter Zeit häufen sich kritische Stimmen.

Feuerspeier

Bei Spiegel Online berichtet eine Redakteurin freudentrunken über den Löschvorgang ihres Facebook-Accounts – zahlreiche Netzmenschen folgten, z. B. Nico Brünjes und Markus Schlegel –, die New York Times bringt erschreckende Fakten über die dschungelähnlichen Zustände der Datenschutzeinstellungen ans Licht und Blogger wie Matthias Lohr beschreiben ihre Ansichten über die seltsame und maßgeblich vom Gründer Mark Zuckerberg geprägte Auffassung eines »offenen, sozialen Netzes«.

Wohin sich Facebook in den letzten Jahren entwickelt hat, ist dieser Grafik zu entnehmen: Die Standardeinstellungen eines Profils sind im Laufe der Jahre immer offener und für das gesamte Web zugänglicher geworden. Gleichzeitig sind sie dermaßen vielschichtig und umfassend, dass sich der durchschnittliche Nutzer dafür einfach keine Zeit nehmen möchte. Er gibt frustriert auf und wird unwissend immer mehr dazu animiert, seine Privatsphäre ein Stück weit aufzugeben. Für das Unternehmen hat das den einleuchtenden Vorteil, mehr Nutzerinformationen sammeln und Werbetreibenden zielgenauere Anzeigen anbieten zu können.

Ich gehöre wahrscheinlich zu den Wenigen, die regelmäßig die Konto-, Datenschutz- und Sicherheitseinstellungen des eigenen Facebook-Accounts überprüfen. Dabei ist mir erst vor einigen Wochen aufgefallen, dass Facebook selbständig einige Einstellungen von Dingen, die ich auf meine Pinnwand veröffentliche oder mit Freunden teile, auf 100 Prozent für jeden offen zugänglich geändert hat – natürlich ohne mich vorher darüber in Kenntnis zu setzen. Sich regelmäßig durch die Unmengen an Einstellungen zu graben, ist also unbedingt zu empfehlen. Einen sehr nützlichen »Facebook Privacy Scanner« bietet z. B. ReclaimPrivacy.org an.

Änderungen und ein Konkurrent in Sicht

Gestern hat Facebook verlauten lassen, die Datenschutzeinstellungen zu vereinfachen – irgendwann. Nach den massiven Vorwürfen der letzten Wochen ist das ein konsequenter Schritt in die richtige Richtung. Mit großem Interesse habe ich den Artikel mit dem knackigen Titel Mit Geld überschüttet: Vier Nerds gegen Facebook gelesen. Vier Studenten wollen alles besser machen und ein Anti-Facebook entwickeln. Eins ist sicher: Sobald das hoffnungsvolle Projekt online geht, kehre ich Facebook endgültig den Rücken.

Die vier Jungspunde scheinen übrigens die richtige Idee zum richtigen Moment gehabt zu haben, denn Menschen haben für sie weltweit schon über 180.000 Dollar gespendet. Wer selbst helfen möchte, hat noch zwei Wochen Zeit.

Schlussgedanken

Wenn der CEO eines Unternehmens, das weit über 400 Millionen Nutzer unter einem Dach vereint, von einem Ende des Datenschutz-Zeitalters orakelt schwadroniert, löst das bei mir blankes Entsetzen aus.

Trotz dieser offensichtlichen Antipatie gegenüber Datenschutz und Privatsphäre ist Facebook erstaunlicherweise weiterhin auf Erfolgskurs. Das mit großem Abstand erfolgreichste soziale Netzwerk sollte dennoch aufpassen, dass es sich dabei nicht die Finger verbrennt. Zum Schluss einige etwas direktere Worte an Mark Zuckerberg von Jason Calacanis:

Chatroulette: Der neue Hype im Netz

Chatroulette ist in aller Munde, die Idee dahinter erstaunlich simpel: Man wird mit einem zufällig ausgewählten, fremden Menschen verbunden und kommuniziert mit ihm per Text, Audio und/oder Video.

Bevor ich über meine Erfahrungen, die ich mit Chatroulette gemacht habe, schreibe, gebe ich einen kurzen Einblick in den Aufbau und die Funktionsweise der Website.

Die Startseite ist sehr minimalistisch gehalten. Links oben befindet sich das Videofenster des Fremden, darunter das eigene. Zu Beginn bekommt man einige Tipps und die Nutzungsbedingungen präsentiert. Dann kann es auch schon losgehen: Ein Klick auf den Button »New game« startet die zufällige Partnerwahl. Ab jetzt kommuniziert man per Texteingabe, Audio und/oder Video mit seinem »Gegenüber«. Per »Next«-Button steht es sowohl mir, als auch meinem Partner frei, jederzeit die Verbindung abzubrechen. Danach wird man wiederum zufällig mit einem Fremden verbunden.

Erste Gehversuche

Sich vom Zufallsgenerator vorschreiben zu lassen, mit wem man kommuniziert, erfordert besonders am Anfang viel Mut. Das körpereigene Adrenalin hilft einem beim ersten Betätigen des Roulettes. Nach wenigen Momenten sieht man den ersten Fremden vor sich. Doch bevor man auch nur reagieren könnte, ist er schon wieder weg. Anscheinend hat er kein Interesse an mir gehabt und mich weggeklickt. Das verstört ein wenig. Man ist direkt beleidigt angesichts dieser Unhöflichkeit. Doch die Zeit heilt ja bekanntlich alle Wunden: Weggeklickt zu werden gerät beinahe zum Normalfall und man gewöhnt sich sehr schnell daran.

Zu meiner eigenen Verwunderung habe ich nach einer halben Stunde die selbe Verhaltensweise an den Tag gelegt, die ich zuvor noch als verstörend empfunden habe: Wer nicht interessant erscheint, wird ohne Vorwarnung weggeklickt. Die Auswahl an potenziellen Gesprächspartnern ist schließlich mehr als ausreichend. Zu jeder Tages- und Nachtzeit tummeln sich Zehntausende Menschen auf der Seite.

Auffallen heißt die Devise

Schnell wird klar: Um nicht sofort weggeklickt zu werden, muss man auffallen. Die simpelste Form ist wahrscheinlich Grimassen zu schneiden oder in die Kamera zu winken. Menschen mit ein wenig mehr Fantasie stellen sich mit einem Klavier in ihr Zimmer und improvisieren wild drauflos oder erfüllen Liedwünsche.

Dieses Beispiel zeigt die erschreckend faszinierende Seite von Chatroulette. Die wenigen Momente, mit denen man mit seinem Gegenüber verbunden ist, können unheimlich intim und persönlich sein. Mit einer gänzlich fremden Person ist man plötzlich und unvorstellbar schnell per Du. Mit einem einzigen Klick direkt im Zimmer und Leben des Anderen. Dass das nicht nur positiv zu bewerten ist, leuchtet ein.

Die Schattenseiten von Chatroulette

Chatroulette zieht leider sehr viele Menschen an, die sich gerne ausziehen. Vor allem zu späteren Abendstunden passiert es nicht gerade selten, Geschlechtsorgane (vorzugsweise die primären, männlichen) im Videofenster seines Gegenübers präsentiert zu bekommen. Mit einem Klick ist alles weg. Trotzdem sollte man immer im Hinterkopf behalten: Chatroulette scheint ein Eldorado für Exhibitionisten und Perverse zu sein.

Sehr problematisch ist in dieser Hinsicht, dass es so gut wie keine Einschränkungen für Minderjährige gibt, Chatroulette zu benutzen. Am Anfang wird man zwar freundlich darauf hingewiesen mindestens 16 Jahre alt sein zu müssen … kontrollieren tut das aber keiner. Minderjährigenschutz? Absolute Fehlanzeige. Es bleibt abzuwarten und zu hoffen, dass hier schnell gehandelt und eine akzeptable Lösung gefunden wird.

Hält der Hype an?

Seitdem Chatroulette im Februar 2010 Themengegenstand unzähliger Blogs und großer Nachrichtenseiten war, hält ein stetiger Erfolgstrend an. Es ist ein Paradebeispiel viralen Marketings: Innerhalb kürzester Zeit hat die Website extrem viele Nutzer an sich gezogen. Ich bin gespannt, wie die weitere Entwicklung verläuft.

Das Konzept hat sicherlich Potenzial langfristigen Erfolg zu haben, da der Nutzer selbst bestimmt, wie er diesen Dienst nutzt: Ob als Unterhaltungskanal, Datingservice, allgemeinen Zeitvertreib, Plattform für Diskussionen jeglicher Art oder einfach nur um mal einen Menschen auf der anderen Seite des Globus zuzuwinken. Alles ist möglich.

Die wahllose Zusammenwürfelung mit einer fremden Person macht letztlich den Reiz aus. In einem Moment diskutiere ich mit Rentnern aus den USA über Obamas Gesundheitspolitik, unmittelbar danach tanze ich mit einer Gruppe französischer Teenager zu Rockmusik. Der Zufall bestimmt den Rhythmus.

Update (07.04.2010)

Noch ein Chatroulette-Schmankerl:

Update (09.04.2010)

Merton, der Chatroulette-Pianist, hat ein neues Video hochgeladen:

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