Codex: Das Typografie-Journal

Was Codex ist und sein soll, erfährt man wohl am besten von der offiziellen Website:

Codex is a hybrid of magazine and journal. Beautifully designed, visually appealing, an immersive experience with a lively voice, it is also serious about its subject: authoritative, scholarly at times, but not dry in tone. It’s serious, but not stuffy. It loves the people, tools, and type associated with this craft, from the man carving beautiful cherubim into wood blocks in the 1400s to brilliantly formed modern interpretations and departures. It embraces the web and is watchful for the future’s classics.


Frontcover der Codex

Schon wenn er das Cover sieht, juckt es den Typografen in den Fingerspitzen.

Codex hält tatsächlich, was es verspricht und ist fast schon ein inhaltliches und optisches Kunstwerk. Das knapp 160 Seiten starke Journal umfasst eine zeitliche Spanne von mehreren hundert Jahren, behandelt die packende Geschichte des Linotype-Setzmaschinen-Erfinders Ottmar Mergenthaler genauso wie Schriftdarstellungen auf dem iPad. Zahlreiche Interviews und Artikel von und mit Typografie-Experten wie Erik Spiekermann, Luca Barcellona oder Christian Schwartz zeugen von einer inhaltlichen Intensität, die ich in dieser Form selten erlebt habe.

Das haptische und optische Erlebnis ist bemerkenswert. Jede einzelne Seite des Heftes spiegelt die Hingabe und Liebe für Details wider, mit der es produziert wurde.


Detailansicht der Codex

Oft bleibt einem beim Betrachten der Seiten die Spucke weg.

Schriftenbeschreibungen kommen in der Codex natürlich auch nicht zu kurz. Ihr Stil erinnert mich dabei fast an Weinbeschreibungen, denn bei beiden wird versucht ein kaum fassbares Gefühl widerzugeben. Und Gefühle (bzw. komplexe Geschmäcker) in Worte zu fassen, ist ja schon eher schwierig. Bei Weinen sagt man dann, diese seien z.B. paprizierend im Abgang. Bei Schriften sind einzelne Schriftstärken z.B. konservativer als andere. Einfach nur herrlich, was man mit Worten alles anfangen kann. :)


Detailansicht verschiedener Schriftstärken

Für Liebhaber von Schriftenbeschreibungen gibt es in der Codex viel zu entdecken.

Herausgegeben wird das neue Typografie-Journal von dem Briten John Boardley. Er lebt und arbeitet in Japan und ist der Macher des Typo-Mekkas I love Typography.