Tagebuch zu führen, habe ich leider genauso oft aufgehört, wie angefangen. Meistens fängt das ja als Jugendlicher an. Plötzlich scheint jeder davon besessen zu sein, in ein kleines Büchlein zu schreiben. Das dazugehörige Schlösschen samt Schlüsselchen für die vielen, kleinen Geheimnisse darf natürlich auch nicht fehlen.
Vor einigen Monaten hat mich jemand verblüfft. Da sprach ich mit einem Herrn um die 60 über Tagebücher und er verriet mir, dass er seit über 40 Jahren seine (all)täglichen Erlebnisse zu Papier bringt. Ich kenne ansonsten niemanden persönlich, der das so lange durchgehalten hat. Touché!
Gewissenhafte und ausdauernde Menschen motivieren mich. Deshalb mache ich das seit über zwei Monaten ebenso und es fühlt sich gut an. Eigentlich sehr gut. Überhaupt: In ein Buch mit kleinen Seiten zu schreiben. Tag für Tag. Seiten, die man mit eigenen Gedanken füllt, abseits von Bildschirmen und »Tatsch-Skriens«, mit Stift und Papier. Das schafft gleichsam Distanz, Ruhe und Konzentration. Probiert’s mal aus.
Was Google+ angeht, scheint Twitter in größerer Bedrängnis zu sein, als Facebook. Vielleicht liegt’s an der Konzeptionslosigkeit? Steht uns gar eine Twitterdämmerung bevor?
Die integrierte Browsersuche ist eine Funktion, die ich beim täglichen Umgang mit Webseiten geradezu exzessiv nutze, um schnell Begriffe oder Wortfetzen innerhalb der gerade geöffneten Seite zu finden.
Wie ich festgestellt habe, kocht diesbezüglich jeder Browser gewissermaßen sein eigenes Süppchen. Das schmeckt manchmal besser und manchmal schlechter. Nur bei den Tastaturkürzeln herrscht weitestgehend Einigkeit:
Aktion
Mac OS
Windows
Suche starten
Cmd + F
Ctrl + F
Nächster Treffer
Cmd + G oder Enter
Ctrl + G oder Enter
Vorheriger Treffer
Cmd + Shift + G oder Shift + Enter
Ctrl + Shift + G oder Shift + Enter
Folgende Browser (alphabetisch sortiert) habe ich unter die Lupe genommen:
Alle Browser verhalten sich übrigens unter Mac OS X 10.6.8 (außer natürlich der IE) und unter Windows 7 nahezu identisch.
Chrome
Nachdem man die Suche aktiviert, erscheint rechts oben eine knapp 300 Pixel breite Suchmaske, die sich quasi über die Webseite legt. Darunter liegende Suchergebnisse würden dadurch theoretisch verdeckt. Dieses »Interfaceproblem« löst Googles Browser dadurch, dass er die Suchmaske bei eintretendem Ernstfall einfach nach links verschiebt. Ziemlich cool!
Die Anzeige der Suchergebnisse im Scrollbalken ist überaus hilfreich.
Rechts vom Eingabefeld werden alle Suchergebnisse in der Form »1 von 36« textuell zusammengefasst. Die erste Zahl repräsentiert den Treffer, bei dem man sich gerade befindet (im Beispiel der erste Treffer). Die letzte Zahl gibt die Gesamtzahl der Treffer an. Und Chrome listet auch wirklich alle Treffer auf; ein kleine Testsuche mit über 100.000 Suchergebnissen hat das bestätigt.
Treffer werden verzögerungsfrei mit einem gelben Hintergrund hinterlegt; das gerade aktuelle Fundstück wird durch einen orangenen Hintergrund hervorgehoben. Chrome unterscheidet bei der Suche übrigens nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung. Zusätzlich dazu werden Treffer mit einem gelben Strich im Scrollbalken angezeigt. Dadurch bekommt man einen raschen und umfassenden Überblick, an welcher Stelle der Webseite sich Suchergebnisse befinden bzw. wo sie sich häufen. Dieses Feature ist so einfach, wie es genial ist.
Firefox
Der Fuchs platziert die Suchleiste am gesamten unteren Rand des Fensters. Der eigentliche Inhalt (Eingabefeld und Buttons zum Navigieren/Auswählen) ist knapp über 660 Pixel breit. Wenn man das Fenster kleiner als 660 Pixel zieht, wird die Suchmaske rücksichtslos verdeckt und dadurch unbenutzbar. Auch theoretische Probleme sind Probleme.
Will man alle Treffer sehen, muss man auf »Hervorheben« klicken. Lästig.
Firefox unterscheidet wahlweise zwischen Groß- und Kleinschreibung, womit man Suchergebnisse verfeinern kann. Standardmäßig wird nur der aktuelle Treffer mit grüner Farbe hinterlegt, alle anderen Treffer bleiben farblos und somit nicht erkennbar. Es gibt allerdings einen »Hervorheben«-Button, womit auch alle anderen Treffer (mit lila Hintergrund) deutlich gemacht werden. Warum nicht alle Treffer standardmäßig hervorgehoben werden, ist mir ein Rätsel. Noch etwas: Wenn alle Suchergebnisse farblich markiert werden, verzögert sich bei einer Änderung des Suchbegriffs die farbliche Hinterlegung der neuen Treffer etwas … zumindest so lange, dass es auffällt.
Positiv ist allerdings anzumerken, dass Firefox (als einziger Browser) eine sofortige Suche zulässt, d. h. man kann einfach drauflostippen und muss nicht erst das Standardtastaturkürzel eintippen, um die Suche zu starten. Nette Idee!
Internet Explorer
Die Suchleiste befindet sich beim IE unter der Adresszeile und erstreckt sich über die gesamte Fensterbreite. Auch hier besteht das Problem, dass bei kleiner werdendem Browserfenster der Inhalt der Suchleiste verdeckt wird.
Die Anzeige des aktuellen Treffers könnte deutlicher ausfallen.
Neben den üblichen Standardeingabefeldern kann man die Hervorhebung aller Treffer aktivieren oder deaktivieren. Standardmäßig ist sie sinnvollerweise aktiv, das sollten sich die Leute bei Mozilla ausnahmsweise mal zum Vorbild nehmen. Zusätzlich zur Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinschreibung kann auch explizit nach ganzen Wörtern gesucht werden.
Der IE gibt (wie Chrome und Safari auch) die Anzahl der Treffer aus. Er spricht aber von »Übereinstimmungen«. Bei mehr als 100 Treffern hört er auf zu zählen und sagt: »Mehr als 100 Übereinstimmungen«. Aktuell ausgewählte Treffer werden nur mit der Farbe einer normalen Textmarkierung (dezentes blau) hinterlegt. Das geht sicher eindeutiger.
Opera
Der norwegische Browser sucht sehr solide. Die Suchleiste erstreckt sich über die gesamte Fensterbreite und befindet sich unterhalb der Adresszeile. Zieht man das Fenster kleiner, verkleinern sich dabei auch die Buttons und Beschriftungen … zumindest bis zu einem gewissen Grad. Das macht Opera besser als der IE und Firefox, die sich in dieser Hinsicht eher stur verhalten. Neben der Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinschreibung kann auch nach ganzen Wörtern gesucht werden.
Suchergebnisse treten deutlich hervor.
Nach der Eingabe des Suchbegriffs verdunkelt sich die ganze Webseite. In Mac OS X werden die Treffer in grellem türkis angezeigt, in Windows 7 in hellem gelb. Die aktuelle Stelle wird mit einer grünen Box, Schlagschatten und größerem Innenabstand gekennzeichnet. Durch die Verdunkelung der Seite treten insgesamt alle Treffer sehr viel deutlicher hervor. Ein Hinweis auf die Anzahl der Suchtreffer gibt’s allerdings nicht.
Safari
Safari platziert die Suchleiste unter der Adresszeile über die gesamte Fensterbreite. Auch hier wird wie bei Opera die Webseite verdunkelt, um Suchergebnisse noch deutlicher hervorzuheben. Treffer werden mit weißem Hintergrund markiert, die aktuelle Stelle wird gelb, mit Schlagschatten und größerem Innenabstand markant hervorgehoben. Die sofortige visuelle Erfassung der Suchergebnisse schafft Apples Browser meiner Meinung nach am besten.
An Safaris Suche gibt es wenig zu bemängeln.
Die Anzahl der Treffer wird angezeigt, allerdings kann Apples Browser (wie der IE) nur bis 100 zählen. Schade.
Fazit
Chrome sucht meiner Meinung nach mit Abstand am besten, vor allem wegen der zusätzlichen Anzeige der Suchergebnisse im Scrollbalken. Firefox hingegen hat mich etwas enttäuscht, da er nicht standardmäßig alle Treffer hervorhebt. Hinweise auf weitere browserspezifische (Such-)Kniffe, die ich vergessen oder noch nicht entdeckt habe, sind willkommen!
Über Pornographie in unserer Gesellschaft: Generation Wix. Herrlich geschrieben, ich habe viel gelacht.
Koch-Mehrin wurde zur Forschungspolitikerin befördert. Zu diesem geradezu realsatirischem Themawurdeviel geschrieben. Eine Petition zur Abberufung Koch-Mehrins aus dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie gibt’s auch. Die hat sich allerdings mittlerweile erübrigt, denn die smarte FDP-Politikerin will nun doch das Amt wechseln.
GuttenPlag Wiki gewinnt Grimme Online Award. Christian Sickendieck meint dazu: Anonymität kann zum Vorteil unserer Demokratie positiv eingesetzt werden. (via @dnaber_de)
Das FBI konnte durch die spontane Beschlagnahmung mehrerer Server zwei lettische kriminelle Vereinigungen enttarnen. Das ist gut. Teilweise liefen auf den entwendeten Servern populäre Dienste wie Instapaper oder Pinboard, die dadurch tagelang ausfielen und bestenfalls eingeschränkt nutzbar waren. Das ist blöd.
Start- und End-Tags mancher HTML5-Elemente kann man weglassen. Das ist schon seit HTML 2 so. Die Spezifikation lässt dies zu, das damit produzierte HTML bleibt also valide. Was das bringt? Google hat z. B. herausgefunden, dass man damit die Größe einer Webseite um bis zu 20 % verringern kann. Für Leute, die in HTML-Syntax schreiben und die eigene Webseite ein klein wenig schneller machen möchten, kann diese Vorgehensweise also durchaus sinnvoll sein und in Erwägung gezogen werden.
Allerdings sollte man sich auch eines Nachteils bewusst sein: Der Internet Explorer verkorkst die HTML-Verarbeitung bei nicht vorhandenem body-Start-Tag. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte also zumindest den body-Start-Tagimmer deklarieren. Außerdem ist das Weglassen eines Tags an einige spezielle Bedingungen geknüpft. Genug der vielen Worte, hier die Übersicht:
Element
Start-Tag
End-Tag
Element
Start-Tag
End-Tag
body
optional (wenn Element leer ist oder unmittelbar danach kein Leerzeichen oder Kommentar folgt – außer wenn unmittelbar danach ein script- oder style-Element folgt)
optional (wenn unmittelbar danach kein Kommentar folgt)
colgroup
optional (wenn Element nicht leer ist, unmittelbar danach ein col-Element folgt oder vor dem Element nicht ein colgroup-Element steht, dessen End-Tag weggelassen wurde)
optional (wenn unmittelbar danach kein Leerzeichen oder Kommentar folgt)
dd
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein dd- oder dt-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
dt
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein dd- oder dt-Element folgt)
head
optional (wenn Element leer ist oder unmittelbar danach ein Element folgt)
optional (wenn unmittelbar danach kein Leerzeichen oder Kommentar folgt)
html
optional (wenn unmittelbar danach kein Kommentar folgt)
optional (wenn unmittelbar danach kein Kommentar folgt)
li
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein li-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
optgroup
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein optgroup-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
option
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein optgroup- oder option-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
p
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein address-, article-, aside-, blockquote-, dir-, div-, dl-, fieldset-, footer-, form-, h1-, h2-, h3-, h4-, h5-, h6-, header-, hgroup-, hr-, menu-, nav-, ol-, p-, pre-, section-, table- oder ul-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt und Elternelement kein a-Element ist)
rp
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein rp- oder rt-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
rt
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein rp- oder rt-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
tbody
optional (wenn Element nicht leer ist, unmittelbar danach ein tr-Element folgt oder vor dem Element nicht ein tbody-, tfoot- oder thead-Element steht, dessen End-Tag weggelassen wurde)
optional (wenn unmittelbar danach ein tbody- oder tfoot-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
td
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein td- oder th-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
tfoot
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein tbody-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
th
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein td- oder th-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
thead
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein tbody- oder tfoot-Element folgt)
tr
benötigt
optional (wenn unmittelbar danach ein tr-Element folgt oder im Elternelement kein Inhalt mehr folgt)
Was Codex ist und sein soll, erfährt man wohl am besten von der offiziellen Website:
Codex is a hybrid of magazine and journal. Beautifully designed, visually appealing, an immersive experience with a lively voice, it is also serious about its subject: authoritative, scholarly at times, but not dry in tone. It’s serious, but not stuffy. It loves the people, tools, and type associated with this craft, from the man carving beautiful cherubim into wood blocks in the 1400s to brilliantly formed modern interpretations and departures. It embraces the web and is watchful for the future’s classics.
Schon wenn er das Cover sieht, juckt es den Typographen in den Fingerspitzen.
Codex hält tatsächlich, was es verspricht und ist fast schon ein inhaltliches und optisches Kunstwerk. Das knapp 160 Seiten starke Journal umfasst eine zeitliche Spanne von mehreren hundert Jahren, behandelt die packende Geschichte des Linotype-Setzmaschinen-Erfinders Ottmar Mergenthaler genauso wie Schriftdarstellungen auf dem iPad. Zahlreiche Interviews und Artikel von und mit Typographie-Experten wie Erik Spiekermann, Luca Barcellona oder Christian Schwartz zeugen von einer inhaltlichen Intensität, die ich in dieser Form selten erlebt habe.
Das haptische und optische Erlebnis ist bemerkenswert. Jede einzelne Seite des Heftes spiegelt die Hingabe und Liebe für Details wider, mit der es produziert wurde.
Oft bleibt einem beim Betrachten der Seiten die Spucke weg.
Schriftenbeschreibungen kommen in der Codex natürlich auch nicht zu kurz. Ihr Stil erinnert mich dabei fast an Weinbeschreibungen, denn bei beiden wird versucht ein kaum fassbares Gefühl widerzugeben. Und Gefühle (bzw. komplexe Geschmäcker) in Worte zu fassen, ist ja schon eher schwierig. Bei Weinen sagt man dann, diese seien z. B. paprizierend im Abgang. Bei Schriften sind einzelne Schriftstärken z. B. konservativer als andere. Einfach nur herrlich, was man mit Worten alles anfangen kann. :)
Für Liebhaber von Schriftenbeschreibungen gibt es in der Codex viel zu entdecken.
Herausgegeben wird das neue Typographie-Journal von dem Briten John Boardley. Er lebt und arbeitet in Japan und ist der Macher des Typo-Mekkas I love Typography.
Jeffrey Zeldmans Ansichten über Kompetenzen und Chancen, die jeder moderne Webdesigner im Kopf haben sollte. Tolle Zusammenfassung von Luke Wroblewski.
Am 12. und 13. Juni 2011 hat die Mehrheit der Italiener Berlusconis Politik per Volksabstimmung abgestraft und damit scheinbar ein deutliches Zeichen des Neuanfangs in der politischen Mitgestaltung Italiens gegeben.
1995, das ist das Jahr, in dem zuletzt eine Volksabstimmung die nötige Mindestbeteiligung von 50 % aller Wahlbeteiligten erreicht hat. Erst letztes Wochenende – gut 16 Jahre später – die Sensation: 54,8 % der Italiener stimmten über vier Gesetze ab, die (sowohl aus wirtschaftlicher und energiepolitischer, als auch aus juristischer Sicht) von enormer Tragweite für die Zukunft des Landes sind.
Diese Gesetze befassen sich im Detail mit der Privatisierung der Wasserwerke, dem Bau von Atomkraftwerken und der Möglichkeit für Kabinettsmitglieder, als Angeklagte Vorladungen zu Gerichtsverhandlungen zu schwänzen; letzteres gilt als maßgeschneidert für Berlusconi, der dadurch seine derzeit vier laufenden Prozesse hinauszögern könnte, um eine mögliche Verurteilung durch Verjährung zu vermeiden.
Letztlich stimmte eine überwältigende Mehrheit von annähernd 95 % der Wahlgänger für die Abschaffung der betroffenen Gesetze.
Berlusconi: Ich werde nicht wählen gehen
Im Vorfeld und während des Referendums wurden von Berlusconi persönlich (nebst Fernsehimperium) und einiger hochrangiger Politiker alle Register gezogen, um möglichst wenig Wähler zum Wählen zu animieren. Hier nur einige Beispiele:
Umberto Bossi, Reformminister und Vorsitzender der norditalienischen Regionalpartei Lega Nord, forderte die Wähler während des Referendums auf, ihrer Pflicht als demokratische Bürger Italiens nicht nachzukommen: Es ist absolut sinnlos, ich hoffe die Menschen werden nicht wählen gehen.
Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte während einer Pressekonferenz: Ich werde nicht wählen gehen. Und weiter: Nicht wählen zu gehen ist ein Bürgerrecht.
Der Wetterbericht des ersten italienischen Fernsehsenders empfahl den Zuschauern einen Tag vor der Volksabstimmung, das schöne Wetter der nächsten zwei Tage doch für einen Ausflug an’s Meer zu nutzen.
Die Nachrichtensendungen von RAI 1 und RAI 2 nannten kurz vor dem Referendum mehrfach ein falsches Wahldatum; sie irrten sich jeweils um einige Tage.
In den fünf Monaten vor der Volksabstimmung fand RAI 1nur elf Mal Platz in seinem Programm, sich der Atomkraftwerk-Thematik des Referendums zu widmen. Dieser Taktik des Totschweigens schlossen sich fast alle größeren Nachrichtensender des Landes an.
Das Web trug maßgeblich zum Erfolg bei
Aus dem, trotz massiver Einflussnahme, erfolgreichen Referendum lassen sich vor allem zwei Dinge folgern:
Zum einen hat das Fernsehen als primäre Quelle der Nachrichtenbeschaffung in Italien erheblich an Relevanz verloren. Womit auch ein wichtiger Pfeiler im Machtgefüge Berlusconis zu wanken beginnt.
Korrekterweise muss man noch ergänzen, dass nicht so sehr das Fernsehen an sich an Relevanz verloren hat, sondern kritiklose, propagandistische und pseudo-journalistische Nachrichtensendungen. Diese dominieren das italienische Fernsehen deutlich. Korrekt recherchierte Inhalte, die neutral, informierend und kritisch aufbereitet präsentiert werden, finden bei den Zuschauern regen Anklang. Bestes Beispiel hierfür ist die regierungskritische Sendung Annozero, die regelmäßig Einschaltquoten von 20 bis 30 % erzielt und die jedem, der des Italienischen mächtig ist und sich für italienische Politik interessiert, wärmstens zu empfehlen ist.
Zum anderen trug das Web tatsächlich maßgeblich zum Erfolg der Volksabstimmung bei. Die Wähler informierten sich vornehmlich auf Facebook, Twitter, YouTube und unzähligen Blogs und Webseiten über die Geschehnisse rund um das Referendum, denn nur dort konnten sie die kritischen, unabhängigen und vielseitigen Informationen finden, die man braucht, um sich eine eigene Meinung zu bilden.
Es wird doch am Ende nicht etwa die Revolutionswelle des arabischen Frühlings sogar bis nach Italien rübergeschwappt sein?